An den Schnittstellen von Hirn und technischem Gerät werden Informationen aus der Sprache der Nervenzellen in jene des Computers übersetzt und umgekehrt.

Diese physische Schnittstelle, also das Konstrukt aus Kunststoffen und Metall, das mit dem Gehirn in Berührung kommt, muss dem Anspruch eines möglichst detaillierten Signalempfangs genügen, ohne den Körper zu schädigen. Würde man den Datenstrom an dieser Stelle verstehen, könnten die Menschen in Zukunft durch entsprechende Implantate direkt mit ihrem Gehirn Maschinen steuern. In den empfangenen Hirnsignalen ließen sich darüber hinaus krankhafte Muster entdecken, beispielsweise die ersten Anzeichen eines nahenden epileptischen Anfalls. Dann könnte das Implantat nicht nur Empfänger, sondern auch Sender sein und mit gezielten Stimulationen den Anfall autonom erkennen und abwehren. In den fünf Dialogen wurden zwei Adapterproblematiken diskutiert: Jene im Hirn sind noch weitgehend unerforscht und jene zwischen Geistes-und Naturwissenschaften behaupten sich wider besseren Wissens.

 

 

 

Die Neurowissenschaften waren von Anfang an auch eine Geschichte der Hirnbilder, der Hirn-Metaphern.

Das Unsichtbare, die geistigen Qualitäten werden in diese Bilder eingeschrieben und damit wissenschaftlich handhabbar. Natürlich sind Hirnbilder immer abhängig von den Medientechniken ihrer Zeit und spiegeln die jeweils vorherrschenden Faszinationen wider; das Gehirn wurde zu Zeiten als Webstuhl beschrieben, als Qualle, innerer Kosmos und Computer. Anatomisch-morphologische Bilder wie das der Qualle wirken heute kurios und wenig zielführend für ein besseres Verständnis. Aber auch im Falle funktionaler Bilder wie Graphen, Tabellen und Diagrammen kann man verfolgen, wie sich relativ spärliche Informationen und magere Zeichen in anerkannte wissenschaftliche Bilder verwandeln können. Die entstandenen Modelle und Metaphern machen die cerebrale Lokalisierung möglich, befördern jedoch gleichzeitig auch Mythenbildung und Verdunkelungsgefahr. Seit den 1990er Jahren und mit dem Einsatz der bildgebenden Verfahren hat es einen neuen erfolgreichen Bilderschub gegeben: Es blinkt! Es feuert! Es denkt! Seitdem dient der Rechner kaum noch als Hirnmetapher, man spricht vielmehr von einem sich selbst organisierenden dynamischen System. Einige Aspekte dieser aktuellen Metapher – das Netzwerk, die Simulation, der Zusammenbruch, die Versammlung, der Maschinist – waren Gegenstand der Dialoge.

CEREBROMATIK

ÜBER SCHNITTSTELLEN, GERÄTSCHAFTEN, HIRNBILDER

Samstag, 23. November 2013
Aula im KG I der Universität Freiburg

 

 

Die Dialogpartner

Ad Aertsen – Biophysiker
Dirk Baecker – Soziologe
Cornelius Borck – Wissenschaftshistoriker
Wolfram Burgard – Informatiker
Volker Coenen – Neurochirurg
Karin Harrasser – Medienwissenschaftlerin
Arvind Kumar – Ingenieur
Sibylle Peters – Kulturwissenschaftlerin
Martin Warnke – Kulturinformatiker
Cornelius Weiller – Neurologe

 

 

Die Tischgesellschaft

Tonio Ball
Matthias Breitenbach
Ulrich Egert
Gunnar Grah
Nele Jahnke
Oliver Müller
Florian Rau
Stefan Rotter
& Besucher 

 

Team

Konzept/Inszenierung: Hannah Hurtzig
Video: Philipp Hochleichter 
In Zusammenarbeit mit: Oliver Müller, Gunnar Grah
Recherche: Franziska Krause
Modellzeichnungen: Florian Stirnemann
Öffentlichkeitsarbeit: Gunnar Grah
Grafik: Ta-Trung
Programmierung: wemove
Übersetzungen: Paul Bowman, Alexandra Effe
Audio & Video: Jonas Gottschall, Wendelin Claus
Assistenz Ausstattung: Johannes Storch
Technik: Jenny Herman
2te Kamera: Alexander Schröder
Hostessen: Franziska Brandhorst, Kerstin Finke, Nicolin Grimm, DaJull Lim, Morin Münzer, Constanze van Gemmeren
Helfer: Felix Hoffmann, Martin Jost, Raphael Rauh, Rafael Torrejon Torres

 

Eine Produktion der

Mobilen Akademie Berlin
und des Exzellenzclusters BrainLinks-BrainTools der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
In Zusammenarbeit mit Theater Freiburg.
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Kennzeichen EXC 1086).
Anbieterkennung abrufbar unter diesem Link.

 

Mit Dank an

Alexander Albiker, Birgit Becherer, Markus Bönzli, Gertrud Dischinger, Klaus Fritz, Petra Markmeyer-Pieles, Uwe Nüssle, Marie-Louise Reineke, Dorothee Lorbeer, Tanja Weber, Jörg Zembruski, den Hausdienst des KG I und die Werkstätten des Theater Freiburg.

Gruppenfoto